Schweizer Autoren

Livia Anne Richard
Anna der Indianer
978-3-305-00488-1

Anna ist vier Jahre alt, als ihr auf einen Schlag klar wird, warum sie beim Cowboy- und Indianerspiel immer die Squaw spielen muss, wo sie doch viel lieber der Chefindianer wäre. Weil sie ein Mädchen ist. Bei einer Mutprobe beweist sie sich gegenüber den Buben und sie geht fortan als Winnetou durchs Leben. Dass Anna sich von Regeln und Konventionen nicht aufhalten lässt, zeigt sie auch als Jugendliche, als sie sich ein Auslandjahr in den USA erkämpft. In diesem Jahr wird sie wiederholt mit Rollenbildern und gesellschaftlichen Erwartungen konfrontiert. Doch Anna bleibt ihrer eigenwilligen und aufmüpfigen Art treu. Dafür können wir LeserInnen die unkonventionelle Anna nur ins Herz schliessen.
Livia Anne Richard ist als Theaterautorin bekannt, mit Anna der Indianer legt sie ihren ersten Roman vor. Mit ihrem Coming-Of-Age-Roman schafft sie es, im lockeren Ton einer leichten Geschichte auf wichtige Themen aufmerksam zu machen, Augen zu öffnen und gleichzeitig gut zu unterhalten.

Simone Lappert
Wurfschatten
978-3-257-24525-7

Ada ist eine begabte junge Schauspielerin, doch ihr Leben wird von Ängsten beherrscht. So sehr, dass sie nur noch mit aufwendigen Ritualen zur Ruhe kommt und sich kaum mehr aus ihrer Wohnung traut. Weil sie die Miete seit Monaten schuldig bleibt, setzt der Vermieter ihr seinen Enkel Juri als Mitbewohner vor die Nase. Für Ada ist der junge Mann eine Zumutung, eine Invasion - oder vielleicht doch das Beste, was ihr passieren kann?
Mit ihrem zweiten Roman «Der Sprung» feierte Simone Lappert 2019 einen grossen Erfolg. In der Folge ist nun ihr Erstlingsroman von 2014, der lange vergriffen war, neu aufgelegt worden. Zum Glück. Denn «Wurfschatten» überzeugt mit einer Geschichte, die fesselt und mit einer grossartigen Sprache. Unbedingte Leseempfehlung.

Christine Brand
Die Patientin
978-3-7645-0704-6

Der blinde Nathaniel und sein Patensohn Silas sind seit dem Tag, an dem Nathaniel Silas' Mutter das Leben rettete, unzertrennlich. Jeden Monat besuchen sie gemeinsam die Komastation des Berner Spitals, doch heute stimmt etwas nicht. Eine fremde Frau liegt in dem Bett, in dem vier Jahre lang Silas' Mutter lag. Der Oberarzt behauptet, sie sei gestorben. Doch es gibt kein Grab, keinen Totenschein, keine Antworten auf Nathaniels Fragen. Als seine gute Freundin, die Journalistin Milla Nova, herausfindet, dass in der Schweiz mehrere Komapatienten verschollen sind, wittert sie einen Skandal. Dann tauchen Leichen am Ufer der Aare auf, die alles in einem anderen Licht erscheinen lassen. Nathaniel wird klar: Die verschwundene Patientin lebt - doch sie schwebt in tödlicher Gefahr…
Wiederum spannende Szenenwechsel zwischen Milla, Nathaniel und dem Kriminalinspektor Sandro Bandini. Auch dieser zweite Fall sollte unbedingt gelesen werden.

Tabea Steiner
Balg
978-3-906907-19-2

Der Traum vom Familienidyll auf dem Land erweist sich für Antonia und Chris als trügerisch. Der Alltag mit Kind ist anstrengender als erwartet und zu den Gefühlen von Isolation und Überforderung gesellt sich eine zunehmende Entfremdung. Das Paar trennt sich und Antonia sorgt fortan alleine für Timon. Sie droht im tristen, von Armut geprägten Alltag unterzugehen und kümmert sich nur halbherzig um ihren Sohn. Timon wehrt sich immer verzweifelter gegen diese Vernachlässigung, doch niemand erkennt den Hilferuf. Einzig der ehemalige Lehrer Valentin findet Zugang zu dem Jungen. Zwischen den beiden wächst ein fragiles Vertrauen, das von den Dorfbewohnern misstrauisch beäugt wird. In einem kunstvollen Spiel der Perspektiven beleuchtet Tabea Steiner eindrücklich die schleichende Eskalation zwischen Timon und Antonia sowie die zögerliche Annäherung zwischen Valentin und Timon. In kurzen Szenen werden subtile Entwicklungsschritte präzise eingefangen. Jedes gesagte Wort, jede Geste zählt und das Ungesagte wiegt schwer.
Eine eindrückliche Lektüre, die uns zeigt wie wichtig Empathie, Hinschauen und Zuhören für unser Zusammenleben sind.

Anna Felder
Quasi Heimweh
978-3-85791-883-4

Eine junge Lehrerin aus Italien kommt in den Aargau, um hier die Kinder italienischer Arbeitsmigranten in ihrer Muttersprache zu Unterrichten. Sie lebt zusammen mit ihrem Bruder in Aarau und reist von Schule zu Schule durch den ganzen Kanton. Die Icherzählerin bewegt sich zwischen den Sprachen und Kulturen, sie erzählt davon, wie sie die Sitten und Gebräuche im kalten Norden erlebt und wie die italienischen Arbeiterfamilien leben.
«Quasi Heimweh» von Anna Felder, selbst Tessinerin und seit vielen Jahren in Aarau heimisch, erschien 1970 – mitten in der Zeit der Schwarzenbach-Initiative. Nun wurde der Roman beim Limmat Verlag neu aufgelegt. Er zeichnet ein Sittengemälde der Deutschschweiz in den 1960er- und 70er-Jahre und besticht durch die Sprachkunst der Autorin.

Ina Haller
Rüebliland
978-3-7408-0631-6

Samanthas Welt gerät ins Wanken, als sie nach Hause fährt und ihre Adoptiveltern ermordet auffindet. Kurz darauf wird sie von einer Inderin kontaktiert, die behauptet, ihre leibliche Schwester zu sein. Verzweifelt beginnt Samantha Nachforschungen anzustellen und entdeckt, dass die Unterlagen zu ihrer Adoption verschwunden sind. Ist der Grund für die Morde in ihrer Herkunft zu finden? Samantha begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit und nach ihren Wurzeln - und gerät dabei in den Fokus des Mörders...
Bei der sehr spannenden Aufklärung des Mordfalls führt der Weg von Lenzburg über Indien bis ins Baselland. Dass sich die Autorin in Lenzburg auskennt, merkt man an den gut beschriebenen Quartieren. Ein «Muss» für alle Haller-Fans und Lenzburger Krimi-Leser- und Leserinnen.

Simone Lappert
Der Sprung
978-3-257-07074-3

Eine junge Frau steht auf einem Dach und weigert sich herunterzukommen. Was geht in ihr vor? Will sie springen? Die Polizei riegelt das Gebäude ab, Schaulustige johlen, zücken ihre Handys. Der Freund der Frau, ihre Schwester, ein Polizist und sieben andere Menschen, die nah oder entfernt mit ihr zu tun haben, geraten aus dem Tritt. Sie fallen aus den Routinen ihres Alltags, verlieren den Halt - oder stürzen sich in eine nicht mehr für möglich gehaltene Freiheit.
Simone Lappert gelingt mit «Der Sprung» ein eindrücklicher Roman. Die Personen sind realistisch gezeichnet und geschickt miteinander verwoben. Die Handlung ist spannend und zwingt zum Nachdenken. Wie würde ich handeln als Schwester, Anwohner oder Passant?

Petra Ivanov
Entführung
978-3-293-00547-1

Der Täter ist gefasst, doch das Opfer bleibt verschwunden: Eine Studentin wurde entführt, bei der Polizei herrscht Ausnahmezustand. Sexualdelikt oder Terrorismus? Pal Palushi wird zum Strafverteidiger des Entführers ernannt und gerät zwischen die Fronten. Nur Ex-Polizistin Jasmin Meyer hält zu ihm. Sie findet eine tödliche Spur.
Ist ein Strafverteidiger, der Moslem ist wie der Angeklagte, tragbar? Wie beeinflusst die Entführung einer jungen Frau den Anwalt, wenn seine Freundin schon einmal dasselbe erlebt hat? Sehr spannend und vielschichtig wurden diese Themen miteinander verknüpft. Die Autorin zieht den Leser von Beginn bis zum Schluss in ihren Bann. Ein Lesevergnügen!