Schweizer Autoren

Werner Ryser
Geh, wilder Knochenmann!
978-3-305-00477-5

Der Roman erzählt die Geschichte dreier Emmentaler Geschwister, die früh ihre Eltern verlieren und damit auch ihr Zuhause, den Auenhof. Esther muss dem neuen Besitzer als Magd dienen, Jakob kommt zu einer Pflegefamilie, und der elfjährige Simon, der den Hof geerbt hätte, wird verdingt. Doch Simon lässt sich nicht brechen. Er träumt davon, dass er später einmal sein Glück in einem Land jenseits der Berge finden würde. Am 18. Mai 1866 bricht er zusammen mit seinem Bruder in Langnau auf in Richtung Georgien...
Wie von Werner Ryser gewohnt basiert der Roman auf historischen Tatsachen. Eindrücklich wird das Schicksal der drei Geschwister geschildert. Keine der Figuren lässt den Leser kalt, sei es, dass man sie ins Herz schliesst oder den Hass der Protagonisten auf ihre Peiniger teilt.

Eveline Hasler
Tochter des Geldes
978-3-312-01114-8

Als Eveline Hasler in den 80er-Jahren in die DDR reist, hört sie durch Irmtraud Morgner den Namen Mentona Moser zum ersten Mal. Aus unermesslich reichem Haus stammend, Sozialrevolutionärin und frühe Feministin, hat sie die europäische Welt des 20. Jahrhunderts bewegt - und wurde vergessen. Die Autorin spürt diesem Ausnahmeleben einer Unbeugsamen nach und zeichnet ein eindringliches, intimes Porträt.
Mentona ist eine interessante, starke Frau, die immer den schwierigeren Weg wählt. Eveline Hasler beschreibt den Werdegang der reichen Tochter zur verarmten Greisin in einer gleichzeitig einfühlsamen wie nüchternen Sprache.

Christine Brand
Blind
978-3-7645-0645-2

Nathaniel hört einen Schrei, dann bricht die Verbindung ab. Gerade noch telefonierte er mit einer Frau. Eine anonyme App verband die beiden, die Frau half Nathaniel dabei, das richtige Hemd zu wählen. Denn Nathaniel ist blind, doch der Schrei klang eindeutig. Was, wenn der Frau etwas angetan wurde? Er ist sich sicher: Es muss ein Verbrechen sein. Doch keiner glaubt ihm, es gibt keine Beweise, keine Spur. Gemeinsam mit einer Freundin, der Journalistin Milla, macht sich Nathaniel selbst auf die Suche nach der Wahrheit. Er ahnt nicht, dass er für die fremde Frau die einzige Chance sein könnte - oder ihr Untergang ...
Ein packender, rasanter Krimi. Die häufigen Szenenwechsel fesseln und lassen einen das Buch kaum aus der Hand legen. Da man als Leser immer einen Schritt voraus ist, leidet man mit den Protagonisten, weil sie der Lösung stets hinterherhinken. Die Erwartungen an das Krimidebüt der Schweizer Autorin wurden mehr als übertroffen. Ein Vergleich mit Petra Ivanov wäre durchaus berechtigt. Bleibt zu hoffen, dass der zweite Band nicht lange auf sich warten lässt.


Anna Stern
Wild wie die Wellen des Meeres
978-3-906195-81-0

Im Zentrum des Romans steht Ava, die der Enge der Beziehung mit Paul und der Kleinstadt, in der sie lebt, entfliehen möchte. Sie macht sich auf den Weg in die schottischen Highlands, um dort ein Praktikum auf einer Feldstation in einem Biosphärenreservat zu absolvieren. Während Ava in der Natur zu sich findet und ihre Vergangenheit hinter sich lassen will, bleibt Paul zurück in Rorschach und kämpft um ihre Liebe und eine gemeinsame Zukunft.
Mal rückwärts, mal vorwärts erzählt Anna Stern die Geschichte eines jungen Paares von ihrem vermeintlichen Ende hin zu ihren Anfängen. Sie legt damit einen beeindruckenden Text über den Umgang mit Trauer, die Unausweichlichkeit der Vergangenheit und die trügerische Authentizität von Erinnerungen vor. Mit einer nüchternen, fast wissenschaftlichen Sprache baut Anna Stern eine ganz eigene Atmosphäre auf, die nach und nach einen Sog entwickelt, dem man sich kaum entziehen kann.


Ina Haller
Aarauer Finsternis
978-3-7408-0513-5

Im Pharmaunternehmen JuraMed, das Andrinas neuem Lebenspartner Enrico Bianchi gehört, geschehen merkwürdige Dinge. Als ein Mitarbeiter unter mysteriösen Umständen verschwindet und auch Enrico in Gefahr gerät, stellt Andrina eigene Nachforschungen an. Steckt Enricos zwielichtiger Jugendfreund dahinter? Oder hat ihr ehemaliger Verlobter Marco Feller von der Kripo Aargau etwas damit zu tun? Andrina weiss nicht mehr, wem sie trauen kann - und muss schliesslich um ihr eigenes Leben fürchten.
Wiederum sehr spannend geschrieben. Einfach toll, dieser Aarauer Lokalkolorit, man sieht die Gegend direkt vor sich. Ein Muss, wenn man die vorherigen Bände schon gelesen hat.

Sophie Haemmerli-Marti
In Liebi und Fründschaft
978-3-03846-950-6

Diese zum 150. Geburtstag der Aargauer Autorin Sophie Haemmerli-Marti (1868-1942) erschienene Festschrift enthält eine Auswahl an Briefen, Gedichten und Lebenssprüchen. Biographische Texte thematisieren ihre Freundschaft mit Max Bircher, Heinrich Danioth, Carl Spitteler, Frank Wedekind sowie weiteren Zeitgenossen und beleuchten ihr Wirken in und um Lenzburg.
Das hübsche Büchlein zeigt die Bandbreite von Sophie Haemmerli-Martis Werk auf von heiteren Kindergedichten, melancholischen Reflexionen über die Liebe bis hin zum fortschrittlichen Denken dieser eindrücklichen Dichterin.

Lukas Linder
Der letzte meiner Art
978-3-0369-5785-2

"Der Letzte meiner Art" erzählt die Geschichte des jüngsten Sprosses einer altehrwürdigen Berner Familie. Alfred fühlt sich neben seiner starken, aber abgedrehten Mutter, seinem genialen Bruder und seinem umnachtet wirkenden Vater wie eine Karikatur. Trotzdem hat er es sich zur Aufgabe gemacht, seiner alteingesessenen Familie zu neuem Ruhm zu verhelfen. Ein Held möchte er werden. Dazu hat er verschiedene Möglichkeiten: Er könnte, wie sein Vorbild und Namensvetter, vierzig Franzosen erschlagen, einen Gesangswettbewerb gewinnen, oder, ja, ein Freiherr der Liebe werden! Doch zunächst ist Alfred nichts weiter als ein Realist, der sich selbst als die enttäuschende Pointe einer Geschichte sieht, deren größtes Vergehen darin besteht, viel zu lange gedauert zu haben.
Lukas Linder schreibt mit skurrilem und ziemlich schwarzem Humor über das alltägliche Scheitern. Bisher vor allem als Theaterautor tätig, legt er mit «Der letzte meiner Art» einen eigenwilligen und frischen Debütroman vor.

Gianna Molinari
Hier ist noch alles möglich
978-3-351-03739-0

Jeden Abend schaut die junge Nachtwächterin auf die Bilder der Überwachungskamera. Nichts regt sich - die Tage der Verpackungsfabrik sind gezählt, die meisten Mitarbeiter bereits gegangen. Als ein Wolf auf dem Gelände vermutet wird, entstehen Risse in der Gleichförmigkeit. Gibt es ihn tatsächlich? Wie gefährlich ist er? Die Nachtwächterin soll während ihrer Schichten eine Fallgrube ausheben. Je genauer sie der Spur des Wolfes folgt, je tiefer sie gräbt und je mehr Schichten sie abträgt, desto mehr Fragen drängen sich auf. Was etwa hat es mit dem Mann auf sich, der in der Nähe der Fabrik aus einem Flugzeug fiel? Und was mit der Bankräuberin, deren Phantombild dem Gesicht der Nachtwächterin so täuschend ähnlich sieht? Von allen Seiten versucht sie sich den Dingen zu nähern: erzählend, notierend, skizzierend, fotografierend.
Die erste Romanveröffentlichung von Gianna Molinari lässt aufhorchen. Sprachlich feine Bilder und zum Nachdenken anregende Fragmente prägen dieses literarisch spannende Debüt. Diese junge Schweizer Autorin gilt es im Auge zu behalten.

Angelika Waldis
Ich komme mit
978-3-336-54797-5

Seit 42 Jahren wohnt Vita Maier in dem Haus in der Torstraße 6. Als junge Mutter ist sie hier eingezogen. Doch längst ist der Sohn aus dem Haus, der Mann unter der Erde. Für ihren Nachbarn, den Studenten Lazy, ist Vita die Alte von oben, denn für Lazy gibt es nur seine Freundin Elsie. Doch so plötzlich, wie die Liebe kam, und ebenso heftig, kommt die Krankheit. Sie verscheucht Elsie und die Zukunft. Im Treppenhaus liest Vita einen mageren, erschöpften Lazy auf und nimmt ihn zu sich, um ihn mit Wurstbroten aufzupäppeln. Durch die ungewöhnlichen Umstände entwickelt sich eine tiefe Vertrautheit zwischen Lazy und Vita. Dann kommt der Tag, an dem ein neues Blutbild die Zuversicht kaputt macht. »Ich steige aus«, sagt Lazy. »Ich komme mit«, sagt Vita. Und so begeben sich zwei Lebensmüde auf eine verrückte letzte Reise.
Angelika Waldis hat mit «Ich komme mit» eine Buchperle geschaffen, welche uns auf berührende Weise die Kostbarkeit des Lebens aufzeigt.

Petra Ivanov
Alte Feinde
978-3-293-00537-2

Im Haus des erschossenen Albert Gradwohl macht die Spurensicherung eine seltsame Entdeckung: Die abgefeuerte Patrone stammt aus einer Waffe des amerikanischen Bürgerkriegs, ein Original aus dem 19. Jahrhundert. Die Hinweise führen die Staatsanwältin Regina Flint in die USA. Dort ermittelt bereits Bruno Cavalli in einem Cherokee-Reservat in den Smoky Mountains. Er soll einen Killer stellen, der seine Opfer mit vergifteten Pfeilen tötet. Doch schon seit Monaten hat Cavalli kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben. Auf der Suche nach ihm stößt Regina Flint auf mysteriöse Hinweise, die sie tief in die Vergangenheit führen. Erst als sich ihre Ermittlungen kreuzen, finden die beiden wieder zueinander.
Spannung bis zum Schluss garantiert – unbedingt lesen.