Romane und Erzählungen

Arno Geiger
Unter der Drachenwand
978-3-446-25812-9

Viel hat man schon gelesen über den zweiten Weltkrieg. Arno Geiger beleuchtet aber weder die Front noch ein Konzentrationslager, sondern stellt die Zivilbevölkerung in den Mittelpunkt.
Veit Kolbe ist ein verwundeter Soldat, der seinen Genesungsurlaub am Mondsee, unter der Drachenwand, verbringt. Im gleichen Ort suchen die junge Mutter und ihr Neugeborenes wie auch eine Schulklasse aus Wien Schutz vor dem tobenden Krieg. Auch von der jüdischen Bevölkerung in den Städten wird erzählt, die zwar nicht in einem KZ und doch unter widrigsten Umständen zu überleben versuchen.
Arno Geiger legt einen eindrücklichen Roman über das Menschsein im Angesicht des Krieges, über die Macht der Geschichte auf das Leben jedes Einzelnen, über die Toten und die Überlebenden vor.

Mariana Leky
Was man von hier aus sehen kann
978-3-8321-9839-8

Immer wenn Selma im Traum ein Okapi begegnet, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, erzählt Mariana Leky in ihrem Roman. Sie erzählt dabei in einer unvergleichlich poetischen Sprache von uns allen. „Was man von hier aus sehen kann“ ist ein zutiefst menschliches Buch zum Schmunzeln und Weinen, zum Wohlfühlen und darin Versinken. Und ein Plädoyer dafür, dass es gut ist, dass jeder so ist wie er ist.

Jodi Picoult
Kleine grosse Schritte
978-3-570-10237-4

Ruth Jefferson gehört zu den besten und erfahrensten Säuglingsschwestern des Mercy-West Haven Hospitals in Connecticut. Als sie eines Tages ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt. Die Eltern des Babys gehören einer rechtsradikalen Vereinigung an und wollen nicht, dass eine Schwarze ihr Kind anfasst. Als Ruth allein in der Säuglingsstation Dienst hat und der Junge eine Atemnot erleidet, gerät sie in ein moralisches Dilemma. Darf sie sich der Weisung widersetzen und dem Kind helfen?
Da denkt man, man lebt in einer aufgeklärten Welt, aber Rassismus ist nach wie vor nicht überwunden. Abwechselnd wird aus der Sicht der Hebamme, ihrer Pflichtverteidigerin Kennedy und Turk, dessen Sohn an einem Herzstillstand stirbt, erzählt. Ein bewegender Roman, der spannend zu lesen ist.


Natascha Wodin
Sie kam aus Mariupol
978-3-499-29065-7
Natascha Wodin geht dem Leben ihrer Mutter nach, die aus der ukrainischen Hafenstadt Mariupol stammte und mit ihrem Mann 1944 als „Ostarbeiterin“ nach Deutschland verschleppt wurde. Sie erzählt beklemmend von einer Fussnote der Geschichte: der Zwangsarbeit im Dritten Reich. Ihre Mutter, die den Untergang ihrer Adelsfamilie im stalinistischen Terror miterlebte, bevor sie mit ungewissem Ziel ein deutsches Schiff bestieg, tritt aus der Anonymität heraus und erhält ein Gesicht, das unvergesslich ist.
Dieses Buch ist spannend, traurig und berührend. Es ist geeignet für alle, die sich für Geschichte interessieren und für Lesegruppen, da es zu Diskussionen anregt.

Susann Pasztor
Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
978-3-462-05186-5

Wie begegnet man einer Frau, die höchstens noch ein halbes Jahr zu leben hat? Fred ist alleinerziehender Vater und hat sich zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter ausbilden lassen, um seinem Leben mehr Sinn zu geben. Aber Karla, stark, spröde und eigensinnig, arrangiert sich schon selbst mit ihrem bevorstehenden Tod und möchte nur etwas menschliche Nähe – zu ihren Bedingungen.
Als Freds Versuch, sie mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen, scheitert, ist es nur noch Phil, sein 13-jähriger Sohn, der Karla besuchen darf, um ihre Konzertfotos zu archivieren. Dann trifft Hausmeister Klaffki in einer kritischen Situation die richtige Entscheidung – und verhilft Fred zu einer zweiten Chance.
Susann Pasztor gelingt ein berührender Roman über das Leben und das Sterben. Mit viel Feingefühl werden die Charaktere und deren Empfindungen gezeichnet. Trotz dem schweren Thema und dem tieftraurigen Ende ein tröstliches Buch.

Karine Lambert
Und jetzt lass uns tanzen
978-3-453-29191-1

Beinahe wären sie einander nie begegnet: Marcel, der den Sternenhimmel liebt, und Marguerite, die nur dem Tag Schönheit abgewinnen kann. Er, für den nur die Freiheit zählt, und sie, die ausnahmslos allen Regeln folgt. Doch dann verlieren beide ihre langjährigen Ehepartner. An diesem Wendepunkt in ihrem Leben treffen Marguerite und Marcel aufeinander und stellen überrascht fest, dass sie über die gleichen Dinge lachen. Wagen sie es auch, noch einmal zu lieben?
Ganz einfach eine wunderschöne Geschichte.


Olivier Bourdeaut
Warten auf Bojangles
978-3-492-05782-0

Sie tanzen zu »Mr. Bojangles«, mixen sich Cocktails, reisen in ihr Schloss nach Spanien. Sie ist charmant und charismatisch, Georges liebt sie hingebungsvoll. Die beiden feiern das Leben, denn sie kennen auch seine dunklen Momente: Georges' schillernde Frau ist manisch-depressiv. Als diese bittere Wahrheit alles zu zerstören droht, entführen Vater und Sohn die Frau, die sie lieben, aus der Psychiatrie. Gemeinsam nehmen sie Kurs auf Spanien, in der Hoffnung, dort weiterleben zu können wie bisher.
Humorvoll aber auch tieftraurig. Eine bewegende Geschichte, die sich im Herzen festsetzt.


Benedict Wells
Vom Ende der Einsamkeit
978-3-257-06958-7

Jules und seine beiden Geschwister wachsen behütet auf, bis ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen. Als Erwachsene glauben sie, diesen Schicksalsschlag überwunden zu haben. Doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein. Ein berührender Roman über das Überwinden von Verlust und Einsamkeit und über die Frage, was in einem Menschen unveränderlich ist. Und eine große Liebesgeschichte.
Berührend, tiefgehend und schön.


Juli Zeh
Unterleuten
978-3-442-71573-2

Unterleuten liegt im Irgendwo in der Nähe von Berlin. Auf den ersten Blick eine Idylle auf dem Lande. Als eine Investitionsfirma den Bau eines Windparkes in der Gemeinde plant, brechen jedoch alte und neue Rivalitäten auf, Eigeninteressen prallen aufeinander und zwischenmenschliche Abgründe öffnen sich. Mit Unterleuten legt Juli Zeh einen fesselnden Gesellschaftsroman über unsere Zeit vor.

André Gorz
Brief an D.
978-3-85869-725-7

Der Philosoph und Publizist André Gorz veröffentlichte 2006 seine Erinnerungen an seine persönliche Liebesgeschichte in Form eines Briefes an seine schwerkranke Frau Dorine. 2007 schied das Ehepaar gemeinsam aus dem Leben.
«Bald wirst du jetzt zweiundachtzig sein. Du bist um sechs Zentimeter kleiner geworden, Du wiegst nur noch fünfundvierzig Kilo, und immer noch bist du schön, graziös und begehrenswert. Seit achtundfünfzig Jahren leben wir nun zusammen, und ich liebe Dich mehr denn je.»
Einer der wohl schönsten Texte über die Liebe.


David Garnett
Dame zu Fuchs / Mann im Zoo
978-3-03820-026-0 / 978-3-03820-040-6

Dame zu Fuchs: Die Tebricks, ein frisch verheiratetes Paar, ziehen sich ins ländliche Oxfordshire zurück, um ein beschauliches Leben zu führen. Bei einem Spaziergang am Waldrand verwandelt sich Silvia Tebrick unerwartet in eine Fähe und kann trotz ihres Anstandes, ihrer Grazie und ihrer guten Erziehung den neu erlangten animalischen Instinkten nicht widerstehen.
Mann im Zoo: John Cromartie besucht mit seiner Freundin Josephine Lackett den Zoologischen Garten, dabei kommt es zu einem Streit. Josephine hält John vor mit, mit seinen Ansichten gehöre er selber in den Londoner Zoo. Kurzerhand schreibt Cromartie einen Brief an die Zoo-Direktion, seiner Bitte wird entsprochen und er zieht in einen Käfig im Affenhaus. Seine Nachbarn, ein Schimpanse und ein Orang-Utan, sind alles andere als begeistert und würden den neuen Mitbewohner, vor dessen Käfig die Leute in langen Schlangen stehen, vor lauter Eifersucht am liebsten in der Luft zerreißen ...
David Garnett (1892 – 1981) war ein britischer Schriftsteller und Verleger. Der wunderbare Dörlemann Verlag mit Sitz in Zürich hat seine beiden ersten Romane «Dame zu Fuchs» und «Mann im Zoo» in einer Neuübersetzung und in hübscher Leinenausstattung neu publiziert. In seinen kafkaesken Erzählungen verwendet Garnett die Gegenüberstellung von Mensch und Tier als Mittel zur Gesellschaftskritik und regt auch heute noch zur Reflexion an.