Empfehlungen

Das Lieblingsbuch des Deutschschweizer Buchhandels 2018

Zum Welttag des Buches vom 23. April 2018 hat der Deutschschweizer Buchhandel zum ersten Mal Das Lieblingsbuch gewählt. Gewählt wurde „Der letzte Schnee“ von Arno Camenisch. Herzliche Gratulation! Zusätzlich stellen wir Ihnen unsere ganz persönlichen Lieblingsbücher aus den letzten Monaten vor.

 

Arno Camenisch – Der letzte Schnee

Paul und Georg stehen Tag für Tag an ihrem alten Schlepplift. So schnell bringt den ordentlichen Georg nichts aus der Ruhe und den grossen Fabulierer Paul nichts zum Schweigen. Eine Anektode reiht sich an die nächste, und sie alle erzählen vom Verschwinden, vom Wandel und vom Leben. Und im Hintergrund zieht der Schlepplift scheppernd Runde um Runde, wie der Lauf der Zeit.

 

Mariana Leky – Was man von hier aus sehen kann

Das Lieblingsbuch von Kathrin Steinmann

Immer wenn Selma im Traum ein Okapi begegnet, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, erzählt Mariana Leky in ihrem Roman. Sie erzählt dabei in einer unvergleichlich poetischen Sprache von uns allen. „Was man von hier aus sehen kann“ ist ein zutiefst menschliches Buch zum Schmunzeln und Weinen, zum Wohlfühlen und darin Versinken. Und ein Plädoyer dafür, dass es gut ist, dass jeder so ist wie er ist.

 

Jodi Picoult – Kleine grosse Schritte

Das Lieblingsbuch von Anita Widmer

Ruth Jefferson gehört zu den besten und erfahrensten Säuglingsschwestern des Mercy-West Haven Hospitals in Connecticut. Als sie eines Tages ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt. Die Eltern des Babys gehören einer rechtsradikalen Vereinigung an und wollen nicht, dass eine Schwarze ihr Kind anfasst. Als Ruth allein in der Säuglingsstation Dienst hat und der Junge eine Atemnot erleidet, gerät sie in ein moralisches Dilemma. Darf sie sich der Weisung widersetzen und dem Kind helfen?

Da denkt man, man lebt in einer aufgeklärten Welt, aber Rassismus ist nach wie vor nicht überwunden. Abwechselnd wird aus der Sicht der Hebamme, ihrer Pflichtverteidigerin Kennedy und Turk, dessen Sohn an einem Herzstillstand stirbt, erzählt. Ein bewegender Roman, der spannend zu lesen ist.

 

Natascha Wodin – Sie kam aus Mariupol

Das Lieblingsbuch von Marianne Steinmann

Natascha Wodin geht dem Leben ihrer Mutter nach, die aus der ukrainischen Hafenstadt Mariupol stammte und mit ihrem Mann 1944 als „Ostarbeiterin“ nach Deutschland verschleppt wurde. Sie erzählt beklemmend von einer Fussnote der Geschichte: der Zwangsarbeit im Dritten Reich. Ihre Mutter, die den Untergang ihrer Adelsfamilie im stalinistischen Terror miterlebte, bevor sie mit ungewissem Ziel ein deutsches Schiff bestieg, tritt  aus der Anonymität heraus und erhält ein Gesicht, das unvergesslich ist.

Dieses Buch ist spannend, traurig und berührend. Es ist geeignet für alle, die sich für Geschichte interessieren und für Lesegruppen, da es zu Diskussionen anregt.